Ich suche meine Nachrichten nicht mehr selbst zusammen — das übernimmt MERLIN. Er sichtet die Quellen, trifft eine Auswahl und präsentiert mir jeden Morgen das Neueste, kurz zusammengefasst. Gelesen wird trotzdem, und zwar von mir. Nur eben das Ergebnis einer Auswahl statt eines endlosen Feeds.

Dazu läuft früh am Morgen, lange bevor ich aufstehe, im Hintergrund meines Macs ein Skript. Es öffnet keine App und macht nichts, was man sehen könnte. Es liest still Nachrichten und bereitet sie auf — und wenn ich in den Tag starte, liegt die fertige Morgen-Mail im Postfach.

Das Problem mit Nachrichten

Ich kenne das Muster wahrscheinlich genauso gut wie ihr. Man schaut kurz auf das Smartphone, öffnet eine App — und zwanzig Minuten später hat man gescrollt, aber nichts wirklich gelesen. Viel Input, wenig Signal.

Was ich eigentlich will, ist das: Die drei, vier Dinge, die heute wirklich relevant sind. Kurz zusammengefasst. Bereit, wenn ich sie brauche.

Genau das macht MERLIN jetzt.

Wie es technisch läuft

Das News-Skript ruft RSS-Feeds ab — inzwischen Tagesschau, Heise, Mac & i, t3n und The Decoder — und verarbeitet jeden neuen Artikel. Neu heißt: noch nicht gesehen. MERLIN merkt sich, was er bereits gelesen hat, und überspringt Dopplungen.

Für jeden Artikel passiert dann etwas Einfaches: Ollama fasst ihn zusammen. Lokal, ohne Cloud, ohne dass irgendetwas das Haus verlässt. Das Modell, das ich dafür nutze, ist Gemma von Google — läuft direkt auf dem Mac, keine Internetverbindung nötig.

Das Ergebnis wird nicht irgendwo bereitgestellt, wo ich es abholen müsste: Aus den zusammengefassten Feeds baut MERLIN eine fertig gestaltete Morgen-Mail und stellt sie mir direkt zu. Gut strukturiert, lesbar, mit Links zu den Originalen. Keine Werbung, keine algorithmischen Vorschläge, keine Dark Patterns.

Learning: Wer ohnehin Ollama installiert hat, kann es direkt sinnvoll einsetzen. News-Zusammenfassung ist einer der einfachsten und nützlichsten Anwendungsfälle — lokal, schnell, kostenlos.

Was mich dabei überrascht hat

Ich hatte erwartet, dass die KI-Zusammenfassungen qualitativ hinter echtem Lesen zurückbleiben. Das stimmt für manche Artikel — bei langen Analysen oder Meinungsstücken gehe ich gelegentlich noch zum Original.

Aber für das Tagesgeschäft ist es präzise genug. Oft sogar präziser als das Original, weil die Zusammenfassung direkt auf den Kern kommt — ohne Einleitungssätze, die den eigentlichen Inhalt hinauszögern.

Was ich außerdem nicht erwartet hatte: Ich lese die Zusammenfassungen tatsächlich. Weil sie kurz sind. Weil sie morgens im Postfach warten, wenn ich sowieso hineinschaue. Kein extra Schritt, keine extra App.

Was das mit Aufmerksamkeit zu tun hat

Der eigentliche Gewinn ist keine Zeitersparnis. Es geht um etwas anderes.

Wenn Informationen zu einem kommen, anstatt dass man selbst suchen muss, verändert das die Qualität der Aufmerksamkeit. Ich lese den Digest mit einem anderen Kopf als wenn ich durch einen Feed scrolle. Konzentrierter. Aktiver.

Das ist kein großer philosophischer Punkt — es ist einfach eine Beobachtung aus dem Alltag.

Learning: Weniger Quellen, besser aufbereitet, ist kein Qualitätsverlust. Es ist meistens ein Gewinn.

Vom Experiment zum Ritual

Angefangen hat das Ganze als Versuch: ein paar Feeds, ein lokales Modell, mal schauen, was dabei herauskommt. Inzwischen ist daraus ein fester Bestandteil von MERLINs Morgen-Mail geworden — die Nachrichten stehen dort neben Wetter, Solarprognose und einem täglichen Wissens-Impuls. Alles an einem Ort, alles zur richtigen Zeit.

Und das ist vielleicht die eigentliche Erkenntnis: Solche Systeme werden nicht an einem Tag fertig. Man fängt klein an, beobachtet, baut um — und irgendwann merkt man, dass man morgens nicht mehr darauf verzichten möchte.


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